Luwasa : Der Evergreen blüht neu auf

Dieter Müri blickt zuversichtlich in die Zukunft von Luwasa.

In den 1980er-Jahren gab es kaum ein Kinderzimmer in der Schweiz, in dem nicht eine « Luwasa-Pflanze » ( ja, so sagte man damals im Volksmund ) stand. Luwasa – die Berner Erfindung, dank welcher Zimmerpflanzen mit überschaubarem Aufwand und vor allem ohne das Risiko einer tödlichen Dürre oder zu viel Feuchtigkeit gehalten werden konnten – stand zumindest in den industrialisierten Ländern rund um den Globus für die Verbindung von Fortschritt und Natur.

Wie jede grosse Erfindung fand auch Luwasa bald Nachahmer. Und mit dem Ablauf des Patentschutzes für die Behälter und das Kontrollsystem für den Wasserstand wurde das System auf der ganzen Welt kopiert. Auch der eigens zertifizierte Blähton, der bei mehr als 1000 Grad gebrannt wird, wurde durch günstigere qualitativ minderwertige Produkte konkurrenziert. So zog sich das Mutterhaus auf den Schweizer Markt zurück, wo die beiden Firmen Interhydro AG und Luwasa greenstyling AG gerade dabei sind, einen anspruchsvollen Spagat zu lernen : Den Errungenschaften einer grossen Geschichte treu bleiben, und gleichzeitig den sich ständig wandelnden Be­dürfnissen des Marktes zu folgen. Und das alles, ohne dabei die Konkurrenz aus den Augen zu lassen. Schliesslich möchte man ihr mit neuen Ansätzen ein Schnippchen schlagen.

«Wir dürfen auf einen breit abgestützten Kundenstamm zählen. »

Dieter Müri

Für CEO Dieter Müri gibt es aktuell zwei Schlagworte, die Luwasa nach bald 60 Jahren Firmengeschichte in die Zukunft begleiten sollen : Design und Service. Mit ein Grund, weshalb ­Luwasa neben dem Kinder- oder dem Wohnzimmer heute auch das Vorzimmer der aktuellen Bundespräsidentin im Bernerhof begrünt. Oder ganze Büro-Landschaften. « Wir dürfen auf einen breit abgestützten Kundenstamm zählen », sagt Müri beim Besuch am Firmensitz in Allmendingen bei Bern. Private, die direkt vor Ort einkaufen, Gartencenter, Blumenbörsen sowie Bauhäuser machen je rund ein Viertel der Kundschaft aus, sagt Müri.

Aber was will sie denn überhaupt, diese Kundschaft ? « Das ändert sich immer mal wieder », sagt Müri. « Einen Moment lang waren Moos-Bilder enorm gefragt, im Moment ist es um diese wieder etwas ruhiger », fährt der CEO fort. « Seit längerem zeichnet sich jedoch ab, dass die Menschen naturnähere Begrünungen wollen – gerade in Büros. » Will heissen : « Sie wollen nicht bloss eine Pflanzensorte in einem Topf, sondern Arrangements verschiedener Gewächse, die sich dann auch unterschiedlich entwickeln, manche wachsen langsamer, andere schneller – und müssen entsprechend gepflegt und unterhalten werden. »

Die Hydrokultur ist seit jeher einfach zu handhaben.

Mit Neuentwicklungen wie Luwasa Longtime schafft das Unternehmen zudem Möglichkeiten, die Haltung von Pflanzen in Hydrokulturen weiter zu vereinfachen. « Vereinfacht gesagt, ist Luwasa Longtime etwas zwischen Erde und der klassischen Hydrokultur in den Blähton-Kügelchen », sagt Müri. « Die Pflanzen können Wurzeln schlagen, welche sich im Substrat entwickeln können. » Die Kontrolle der Feuchtigkeit funktioniert indes genau gleich, wie bei den herkömmlichen ­Luwasa-Kügelchen.

« Die Kunst ist, den Anspruch an eine einfache Pflege der Pflanze, die Handhabung der Hydrokultur und Stil-Ansprüche in Einklang zu bringen », sagt Müri. Um sogleich anzufügen : « Unsere neusten Produkte vereinen nicht nur diese Elemente – und zwar in hochstehendem Design. » Unter dem Label « Freed » bietet Luwasa Töpfe als fünf schlichte, aber wirkungsvolle Design-Elemente in den Grössen S, M und L an, die sich praktisch beliebig kombinieren lassen. « Aus fünf Formen ergibt sich so eine Million Gestaltungs- und Ein­richtungs-Möglichkeiten », sagt Dieter Müri.

Bemerkenswert : Die fünf Elemente sind in Eternit, Ton, Metall erhältlich – und werden alle in Europa und nicht etwa in Übersee hergestellt. « Damit haben wir in den letzten Jahren beachtliche Erfolge erzielen können », sagt Dieter Müri zufrieden. « Und zwar nicht nur in der Schweiz, sondern auch im benach­barten Ausland, namentlich in Deutschland und Österreich ist die Linie sehr gefragt. »

Weil sich Design indes nicht nur über klare Formen definiert, sondern auch über farbliche Gestaltung, werden in Allmendingen bei Bern mittlerweile nicht nur Pflanzen sortiert und arrangiert, sondern eben auch neue Gestaltungsformen ausgetüftelt. Im Keller der Anlage befindet sich eine Lackiererei, die jedem einigermassen anspruchsvollen Carrossier gut anstehen würde. « Hier entstehen laufend neue Ideen », sagt Müri. « Wir können alle möglichen Wünsche erfüllen. » Blumen­topf in schrillem Neon-Look oder in den Farben des Lieblings-Sportvereins ? Kein Problem. Auch passend zur CI der Firma, in deren Räumen er steht, ist selbstverständlich kein Problem.

Kurzum : Der Begrünungs-Evergreen Luwasa ist gerade dabei, sich neu zu erfinden und für die nächsten 60 Jahre Firmengeschichte fit zu machen. Dazu gehört auch ein Neubau am heutigen Standort – spektakulärer Blick auf die Berner Alpen inklusive. « Wir platzen aus allen Nähten », sagt Dieter Müri. « Die Firma wächst konstant. » Deshalb fahren noch in diesem Jahr die Baumaschinen auf. Ziel ist, dass sämtliche 20 Mitarbeitenden von Luwasa im Sommer 2026 in den neuen Räumen ihre Ideen und Dienstleistungen zusammenfügen.